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Episode Info: www.edithkarl.com   Wenn Identifikation zum Problem wird   Wer bist du und wie lange - Edith Karl Mutepertin   Vor wenigen Tagen war ich auf dem BegrĂ€bnis eines Kunden. Nennen wir ihn Jakob Zauner. Sein 76. Geburtstag lag erst einige Monate zurĂŒck. Er war krebskrank. Seit 10 Jahren war er offiziell in Pension. Das Unternehmen hatte er an seine Tochter und an seinen Sohn ĂŒbergeben. Die beiden fĂŒhrten das Haus in gutem Einvernehmen weiter zum Erfolg. Das freute ihn natĂŒrlich. Trotzdem fĂŒhlte er sich amputiert, wie er mir öfter bei Veranstaltungen erzĂ€hlte.   Der Ruhestand fĂŒllte ihn nicht aus. Seither war er intensiv ehrenamtlich tĂ€tig. Er spielte Zugposaune in einem Blasorchester. Dort musizieren die meisten BlĂ€ser nebenberuflich, einige waren Musiklehrer, einige spielten zusĂ€tzlich in anderen Formationen. Das Niveau war ausgesprochen hoch. Jeder gab sein Bestes. Die Konzerte waren immer ausverkauft und genossen einen hervorragenden Ruf. Doch irgendwie wirkte er unzufrieden. Er griff immer hĂ€ufiger zum Glas.   Ich bin der Chef   Mir fiel auf, dass er auf die Frage, was er denn so mache, immer mit einer Position antwortete. Ich bin zwar nicht mehr der Firmenchef, rutsche es ihm hin und wieder heraus, aber ich bin Posaunist. Ich bin auch Leiter des örtlichen Amateurfilmer-Verbandes. DemnĂ€chst verreisen wir nach Island. Dort drehen wir einen aufsehenerregenden Naturfilm.   Ich bin wichtig   Doch eines Tages erhielt er die Diagnose Lungenkrebs. „Die Kinder fĂŒhren die Firma prima. Aber es ist schon hart, nicht mehr der Verantwortliche zu sein. Ich will ihnen auch nicht zu oft meinen Rat aufdrĂ€ngen, sonst gehe ich ihnen womöglich noch auf die Nerven. Also schluck ich halt meine guten Ideen hinunter.“ Sein Seufzen war nicht zu ĂŒberhören.   Seine Frau war pensionierte Lehrerin. Sie hatte ihn wĂ€hrend all der Ehejahre nur sehr unregelmĂ€ĂŸig zu sehen bekommen. Er hatte sich auch noch politisch engagiert. Sie war mit den beiden Kindern in der freien Zeit viel allein zu Hause. Sie besuchte mit ihnen kulturelle Veranstaltungen, sie unternahmen AusflĂŒge und trafen sich mit Freunden. Oft fuhren sie auch ohne ihn auf Urlaub. Seit seiner Pensionierung hatte er sein Verhalten kein bisschen verĂ€ndert. Zum GlĂŒck war sie es gewohnt, ein selbststĂ€ndiges Leben zu fĂŒhren. Sie hatte eine umfangreiche Bibliothek, besuchte weiterhin viele kulturelle Veranstaltungen. AusflĂŒge und Urlaube mit Freundinnen und allein war sie schließlich gewohnt. Zu den Kindern hatte sie ein sehr herzliches VerhĂ€ltnis.    Das Spielen der Posaune fiel Jakob Zauner zunehmend schwerer. Das machte ihm psychisch sehr zu schaffen. Als er schließlich aufhören musste zu spielen, brach eine Welt fĂŒr ihn zusammen. Obwohl er sich gezwungenermaßen mehr Ruhe gönnte, verschlechterte sich die Krankheit. Die Atemnot wurde immer anstrengender. Trotzdem verbrachte er noch viele Abende in Diskussionsrunden und bei Stammtischen. Dort fĂŒhlte er sic...
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